In Oerlinghausen hat sich im Mai 2025 eine zivilgesellschaftliche Initiative gebildet, um das Projekt Stolpersteine in der Stadt umzusetzen und so an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft aus der Bergstadt dauerhaft und sichtbar zu erinnern.
Die Initiative in Oerlinghausen
Bereits lange vor der erfolgreichen Umsetzung hatte es wiederholte Diskussionen und Anläufe gegeben, Stolpersteine nach Oerlinghausen zu holen. Frühere Anträge in den Jahren 2003 und 2011 hatten keine Mehrheit gefunden. Erst im Jahr 2022 wurde im Schul- und Kulturausschuss letztlich einstimmig beschlossen, sich am Stolperstein-Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig zu beteiligen.
Die ersten Stolpersteine
Am 13. Juni 2024 wurden die ersten zwölf Stolpersteine in der Bergstadt verlegt. Diese wurden durch private Spenden von über 30 Oerlinghauserinnen und Oerlinghausern ermöglicht und in enger Zusammenarbeit mit dem Historiker Jürgen Hartmann ausgewählt. Hartmann hatte zuvor in seinem Erinnerungsbuch die Schicksale der Menschen dokumentiert, die zwischen 1933 und 1945 in Oerlinghausen lebten und Opfer der NS-Gewaltherrschaft wurden.
Im Jahr 2025 folgte ein weiterer und damit 13. Stolperstein für den italienischen Zwangsarbeiter Giuseppe La Nave, der während des Zweiten Weltkriegs zur Zwangsarbeit in Oerlinghausen eingesetzt wurde und dort starb. Im Mai des selben Jahres erfolgte die Übergabe des Projektes an interessierten Bürger.innen durch die Stadt Oerlinghausen.
Weitere Schritte und Ausblick
Die Initiative trägt nun nicht nur die finanzielle Verantwortung – die Stolpersteine werden ausschließlich durch Spenden finanziert. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung arbeitet die Initiative daran, weitere Stolpersteine vorzubereiten und zu verlegen, wozu u. a. weitere historische Recherchen, Standortabstimmungen und Kontakt zu Angehörigen gehören.
Konkret ist für den Sommer 2026 die Verlegung weiterer Steine in der Bergstadt geplant.
Parallel zum Projekt bieten lokale Gruppen wie das soziokulturelle Zentrum KNUP erstmals öffentliche Stolperstein-Rundgänge an, um die Erinnerungsarbeit über die Steine hinaus in die Öffentlichkeit zu tragen und zur Auseinandersetzung mit der lokalen Geschichte anzuregen.
Entstehung der Stolperstein-Initiative
Die Stolperstein-Initiative geht auf den Kölner Künstler Gunter Demnig zurück. Anfang der 1990er-Jahre begann er, sich mit den Schicksalen von Menschen zu beschäftigen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Dabei stellte er fest, dass viele Opfer im öffentlichen Raum kaum sichtbar waren – ihre Namen und Lebensgeschichten waren oft vergessen.
1992 setzte Gunter Demnig erstmals einen kleinen Gedenkstein in den Boden ein. Daraus entwickelte sich das Projekt der Stolpersteine: kleine Betonwürfel mit einer Messingplatte, auf der Name, Geburtsjahr sowie das weitere Schicksal eines verfolgten Menschen eingraviert sind. Die Steine werden in der Regel vor dem letzten frei gewählten Wohnort der Betroffenen in den Gehweg eingelassen.
Heute ist das Stolperstein-Projekt das größte dezentrale Mahnmal der Welt. In vielen europäischen Ländern erinnern inzwischen zehntausende Stolpersteine an jüdische Menschen sowie an andere Verfolgte des NS-Regimes, darunter politisch Verfolgte, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen, Homosexuelle und weitere Opfergruppen.
Ziel und Bedeutung der Stolpersteine
Ziel der Stolpersteine ist es, den Opfern des Nationalsozialismus ihre Namen und ihre Würde zurückzugeben. Die Steine holen die Erinnerung aus Museen und Geschichtsbüchern zurück in den Alltag – dorthin, wo die Menschen gelebt haben.
Wer über einen Stolperstein „stolpert“, bleibt stehen, liest einen Namen und wird daran erinnert, dass Verfolgung und Gewalt nicht anonym, sondern mitten in der Gesellschaft stattgefunden haben und auf Millionen von aktiv Unterstützenden, Gleichgültigen, Mitläufern und Schreibtischtätern beruhten.
Jeder Stein steht für einen einzelnen Menschen und seine individuelle Lebensgeschichte.
Termine
Die Initiative Stolpersteine Oerlinghausen trifft sich im April ausnahmsweise im Niklas Luhmann Gymnasium. Interessierte Bürger.innen sind herzlich eingeladen.
Vergangene Veranstaltungen
Vortragsveranstaltung von Jürgen Hartmann im Oerlinghauser Bürgerhaus über die Flucht und die Lebenswege jüdischer Oerlinghauser während der Zeit
des Nationalsozialismus.
Weiterführende Informationen
Die Stolpersteine in Oerlinghausen auf der offiziellen Webseite der Stadt – mit weiterführenden Links zu den Arbeiten Jürgen Hartmanns
„Rosenland – Zeitschrift für lippische Geschichte“ ist ein e-paper für Lippe.
In jährlich ein oder zwei Ausgaben will die Zeitschrift für lippische Geschichte interessante Beiträge liefern, aktuelle Diskussionen aufgreifen, neue Projekte und neue Publikationen aus der Regionalgeschichte vorstellen.
„Stolpersteine NRW“ – Projekt des WDR für virtuellen Zugang zu allen Stolpersteinen in NRW via Website und App
Die Webseite über die Stolperstein-Initiative von Gunter Demnig
